Der musikalische Lebenslauf des Dj ARNI

Nachdem DJ Arni im Herzen der 60'er von seiner Mami aus Hamburg und seinem Papi aus München ins wundervolle ostwestfälische Bielefeld entführt wurde, war seine musikalische Leidenschaft zunächst nicht sonderlich ausgeprägt, da Papa Edmund meinte: "Mei Sohn hört nur boarische Musi, so wird's g'macht". Nach einigen Jahren des Erduldens der wundervollen Heimatklänge war es im Jahre 1976 soweit. Papa fuhr zur Kur nach Bayern und der aufmüpfige Filius kaufte seine erste englische Single von seinem Taschengeld. 5 Mark für "Moviestar" von Harpo bewies sofortiges Hörvermögen für Welthits.

Der Anfang war zum Entsetzen von Papi gemacht. In den folgenden Jahren war es eine Band aus Schweden, die zur totalen Begeisterung des Teenie Arni führte: ABBA! Ständig wurde das Jugendzimmer mit neuen Postern bestückt. Als 1978 der ABBA-Film in die Kinos kam, war Arni in ganz OWL insgesamt 16mal (!) dabei.

1978 war aber auch das Jahr des ersten Besuchs - der Tanzschule Teubner-Schneider und der der damit verbundenen Jugend-Disco. Ende 1979mogelte sich Klein Arni auch in das neu eröffnete "Papagayo" in Bielefeld. Hier lief aber mal ganz andere Musik als das übliche Radiogedöns. Völlig fasziniert, daß die Musik ohne Unterbrechung von einem Song in den nächsten überging, schaute Arni dem DJ Lothar Remke (das erste Vorbild) über die Schulter. Kurz darauf wurde das erste Mischpult gekauft und zwei Plattenspieler von Quelle. Schon versuchte Arni die frisch erworbenen Vinyls von "Chic" oder den "Whispers" zusammenzumixen. Manchmal hörte man, daß es Versuche waren.

Nach ein paar Auftritten bei der Jungen Union Bielefeld und Jugendheim-Partys folgte der offizielle Startschuß am 13. 3. 1983. Bei Teubner-Schneider fand ein Discjockey-Wettbewerb statt, an dem Arni teilnahm und mit satten ¾ aller Stimmen gewann. Hierfür muß ich mich nachträglich bei DJ Ricky vom "Studio M" in Minden bedanken, der mich mit einem fantastischen Remix von "Divine - Step By Step" ausrüstete und die Menge zu Begeisterungsstürmen hinriß.

Eigentlich wäre jetzt die Zeit gekommen um richtig loszulegen. Dummerweise wurde ich bald darauf  für 4 Jahre in ein olivgrünes Outfit gesteckt, mit einem Stahlhelm versehen - und nach "Fischkoppland" verbannt. Hier gab es keine vernünftige Disco - nur gruselige Rockläden.

Zwischenzeitlich, im Wochenendurlaub, besuchte ich in Bielefeld die Discothek "Charly Banana" (früher und heute "Café Europa"). Als ich dort über die Tanz-fläche lief, rempelte mich der DJ an (aufgetan mit einer Wolfsmaske und rappend durchs Mikrofon). Ich dachte nur: was ist das denn für ein geiler Typ? Es war Woody van Eyden, soeben von Ibiza nach Deutschland rübergekommen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner ahnen, daß dieser mal mein wichtigster Förderer werden sollte.

Durch einen Bundeswehrkollegen (DJ Woddy aus Bad Salzuflen) landete ich 1988 im "GOParc" in Herford. Zwischenzeitlich war auch Woody van Eyden zum GOParc gewechselt. Schnell stellte sich heraus, daß ich durch meine Fähigkeit, Bayerisch und andere Dialekte sprechen zu können, für Events wie Oktoberfest oder Karneval besonders geeignet bin. Lange vor Herbert Knebel war Arni schon mit Mikrofon und Staubwedel als Putzfrau Tante Hedwig aus Essen-Kettwig im GOParc aktiv.

Hatte ich bisher eher die Musik von "Kool & the Gang" und anderen Funk- & Soul-Künstlern bevorzugt, nahm mich Woody van Eyden auf die Seite und sagte: "Mach dieses Party-Ding! Du bist mit deinen Fähigkeiten genau der richtige." Ich dachte mir: wenn der das sagt, muß das wohl passen.

Also kaufte ich alles was ich bisher musikalisch verschmäht hatte: Klaus Lage, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Simple Minds und den ganzen Kram, der damals wie heute unter der Rubrik "Fetenhits" noch gehört wird.

Da der GOParc mit DJ's gut besetzt war, spielte ich zwischenzeitlich im "Bierdorf" Brackwede oder auch im "Bierdorf" Werl. Hinzu kamen einige private Veranstaltungen und gelegentlich der GOParc.

1990 eröffnete der "Pflaumenbaum" am Oberntorwall in Bielefeld seine Pforten. Hier bewarb ich mich und wurde sofort eingestellt. Der Pflaumenbaum ("Das total verrückte Gasthaus") war mir musikalisch wie moderatorisch auf den Leib geschnitten. Hier gab es zwar keine Tanzfläche, aber dafür machten die Gäste bei allem mit was ich auflegte. Und wie! Polonaise auf "Steirerman san very good" und Schunkeln auf "Lilly Marleen". Als der Pflaumenbaum 1991 die erste Single-Party in OWL startete, standen montags lange Schlangen vorm Laden.

Bedingt durch den wachsenden Erfolg entschloß ich mich 1993 selbstständig zu machen und fortan nur noch als DJ zu arbeiten. Meine Arbeit als Bürokaufmann hatte sich eh erledigt, nachdem mich mein damaliger Chef Dienstagmorgen nach der Single-Party auf dem Schreibtisch schlafend auffand.

Der Siegeszug der Erlebniskneipen setzte sich fort. Mein Weg führte mich nach Soest (Pflaumenbaum). Hier moderierte ich auch meine ersten Live-Radiosendungen bei "Hellweg-Radio".

1994 wechselte ich dann zur "Schnarchhahn- & Pullewanne"-Gruppe, für die ich als Chef-DJ arbeitete. Ich war zwischen allen 4 Betrieben viel unterwegs um überall nach dem Rechten zu sehen. Einige Kollegen waren nicht so angetan von meiner Menschenführung . . . da hatte die Bundeswehr wohl Spuren hinterlassen.

Megalustig war unsere "Wetten-dass-Show" im Schnarchhahn Ahlen, als ich meine Moderatoren-Wette verlor. Ich wettete, daß das Publikum es nicht schaffen würde, drei Pferde samt Reiter in den Laden zu kriegen. Die Hütte roch Tage später noch nach Pferdeäpfeln . . .

Es war der Sommer 1996. Durch Woody, zu dem ich immer noch Kontakt hatte, rief mich der Chef vom "RIU-Palace" Mallorca, Pepe Maymo Gente, an und fragte ob ich nicht Lust hätte für zwei Monate im "Paradies" an der Playa de Palma zu arbeiten. Ich sagte kurzerhand zu. So wurde aus dem Party-DJ Arni der Mallorca-DJ Arni. Die Musik bestand jedoch aus einer gesunden Mischung aus Faithless "Insomnia" oder Robert Miles "Children" mit etwas Coco Jambo. Ich hatte jedoch auch "An der Nordseeküste" dabei, was die tschechischen Go-Go-Tänzerinnen auf den Boxen zur Verzweiflung trieb. Leider konnte ich mein Engagement nicht bis zum Ende führen, da ich mir auf Mallorca eine Fischvergiftung zuzog und ausgeflogen werden mußte.

Von meiner deutschen Powermusik beeindruckt, bot mir Pepe im Jahre 1997 an im "RIU-Palace" eine Saison lang zu arbeiten - und zwar in der "Royal-Suite". An der Playa de Palma ist hier das älteste Publikum zu finden. Im Gegensatz zu den bisher sehr jungen Gästen biß ich mich in meiner Aufgabe fest und lernte in diesem Sommer viele bekannte Künstler wie Drafi Deutscher, Karel Gott oder Tony Marshall kennen, die wöchentlich in der Royal-Suite auftraten. Auch an Ibo erinnere ich mich gerne, da er mir einige wertvolle Tips gab mich besser zurechtzufinden.

Wieder in Deutschland fing ich im "ZAZA" in Oelde an (hier lernte ich auch den Mickie Krause kennen, der damals noch bei Erika Rehbein & dem Schlager-karussell sang), machte aber nebenbei auch noch Dinge, die als DJ nicht alltäglich sind: Den bayerischen Landpfarrer, der die 24-Stunden-Ehe segnet ("Jo, I wui", war der Antwortsatz der Braut) und der Junggesellenversteigerer. Und das Ganze im WDR-Fernsehen. Hier konnten Frauen einen Mann für einen Abend "ersteigern". Eine höchst reizvolle Geschichte für die Damenwelt . . .

Ende 1998 wurde das "Playa", eine neue Groß-Disco, im Bochumer Ruhr-Park eröffnet. Musikalischer Schwerpunkt: Volle Pulle Mallorca im Schlagerland. Mein alter Spezi Woody hatte mich hier bereits empfohlen. Und so nahm ich im Januar 1999, mit Kondom und Schweinemütze bewaffnet, meine Tätigkeit auf. Dieser Laden stellte alles in den Schatten, was ich bisher erlebt hatte. Die Stimmung war wirklich Original wie auf Malle und wenn nachts um 2 Uhr das Licht ausging und 3500 Leute "Tief im Westen" von Herbert Grönemeyer sangen, konnte einem schon ein Schauer über den Rücken laufen.

Das Konzept vom Playa war einfach, aber wirkungsvoll. Freitags gabs Gutscheine mit denen man für weniger Geld größere Mengen an vorwiegend alkoholischen Getränken kaufen konnte. Heute machen das viele, doch damals war es noch sehr ungewöhnlich. Samstags gabs verschiedene Events: z. B. Single-Party.
Hier holte ich mir im Jahre 1999 einen Kollegen aus Bielefeld dazu, den viele kennen: Meinen Kumpel Michael Nolting, heute bekannt als DJ Mino. Wir arbeiteten lange über die Single-Party hinaus jeden Samstag super erfolgreich zusammen. Viele sagten damals: Das Dreamteam schlechthin. Als Mino sich 2002 Richtung "Adiamo" verabschiedete, war ich schon sehr traurig.

Zwischenzeitlich war ich in der Woche zusätzlich noch im "Anton's Ober-bayern" (später hierzu mehr) und im "Ballermann 6" in Dortmund aktiv. Hinterher auch wieder bei Darko im "Schnarchhahn" Werne - eine der erfolg-reichsten Single-Partys über viele Jahre hinweg.

September 2004 schloß das Playa, weil einer der Besitzer meinte, daß das Konzept nicht mehr passen würde. Nun ja, es sei dahingestellt. Jedenfalls waren am letzten Abend noch einmal 6.000 Gäste da und auf der A 40 war vor der Ausfahrt Bochum-Werne ein Stau wie bei einem Fußballspiel. Die Leute feierten bis morgens um 9 Uhr!

Von Bochum aus zog es mich zunächst in die Heimat. Die "Nachtarena" in Bielefeld war meine nächste Station. Im Nachttheater war immer Party angesagt. Leider schloß die Nachtarena bereits im Jahre 2005.

Inzwischen war anstelle des Playa, das "360 Grad" eröffnet worden, wo ich dann im Mai 2005 an meine alte Arbeitsstelle zurückkehrte. Allerdings nur samstags. Freitags pendelte ich zwischen GOParc Herford und Bier-Börse "Chicago" in Bielefeld hin und her. Später kam dann für ein Jahr das Stadtpalais in Bielefeld hinzu. Hier bin ich mit Mickie immer noch auf Rosenmontag vertreten.

Im März 2006 fragte mich mein alter Kollege Rico Bernasconi ob ich in der Nachtschicht in Bergkamen bei seinem Kumpel arbeiten möchte. Nach kurzer Überlegung sagte ich zu und so kommt es, daß ich bis heute auch regelmässig dort auflege. Mittlerweile ist der Laden erweitert und trägt den Namen "MusicParkA2".

Als im Januar 2008 das 360 Grad den Partybereich zu einem Housebereich umwandelte, wechselte ich zur "Anton's-Bierkönig-Oberbayern's-Anton"-Kette. Hier betreiben die Besitzer Frank Altendeitering & Heinz Ostermann mittlerweile vier super laufende Lokale in Bochum, Duisburg, Dortmund  Essen und neuerdings in der Düsseldorfer Altstadt.


Wer also am Wochenende Zeit und Lust hat besucht mich dort. Viele der ehemaligen Playa-Gäste sind auch hier gelandet und fühlen sich da, genau wie ich, sehr wohl.

Zu Oktoberfest, Mallorca-Party und anderen Veranstaltungen bin ich schon seit einigen Jahren für die supernetten Jungs vom "Atrium" in Rietberg aktiv. Zur nächsten WM auch sicher wieder als Stadionsprecher. Das Atrium ist eine tolle Veranstaltungshalle für alle Altersgruppen. Wer noch nicht da war, sollte unbedingt mal vorbeikommen.

Weiberfastnacht sind Mino und ich immer im Südtorzelt in Rietberg. Wahnsinn, wenn tausend kostümierte Menschen durch den Nummer-Eins-Karnevalsort in OWL ziehen.

Zu meinen regelmäßigen Veranstaltungen zählt seit 2007 auch die große "Fahrschulparty" der Fahrschule Riewenherm in der Ostwestfalenhalle Kaunitz. Seit 2008 bin ich auch auf Pollhans (der größten Kirmes in OWL) im Wirtezelt gebucht. Außerdem gibt es im Mai 2009 eine Premiere: Arni als Biergarten-DJ bei Schniedermann in Schloß Holte.

Mit Mickie Krause und anderen Künstlern bin ich auch häufig in der "Königsburg" Krefeld und im "Prisma" Dortmund/Bottrop oder anderen, diversen Events zu finden.

Sooo, das wars erstmal. Newcomer, die das alles lesen, können folgenden weisen Spruch aus dem Ganzen ziehen:

ROM WURDE AUCH NICHT AN EINEM TAG ERBAUT.

Und:

Es ist nicht immer von Nachteil, als Kind Volksmusik zu hören und bayerisch zu können.

Euer Arni / April 2009